Kennt ihr das Gefühl, dass man einfach
nicht weiß, wer man ist? Dass man seit Jahrzehnten versucht sich selbst zu
finden und bisher auf diesem Weg die ganze Zeit gescheitert ist?
Irgendwann im Leben entscheiden sich die
meisten Leute dafür normal oder anders zu sein. Was das jeweils
bedeutet, lässt sich hier schwer definieren, denn es ist für jeden etwas
anderes. Für mich bedeutet normal in
diesem Zusammenhang jedoch, dass man sich der großen Masse anschließt. Man trägt,
was die Mode vorschreibt; man hört, was die Charts vorgeben; man fährt das
Auto, das gerade rausgekommen und somit von allen als toll angesehen wird. Anders definiere ich hier für meine
Zwecke als Normabweichend, als alle, was gegen das geht, was gerade IN oder
AKZEPTABEL ist, wenn man von der Sicht der gesamten Gesellschaft angeht.
Leute, die sich als normal ansehen, sich nicht großartig abheben, haben ihren Weg
gefunden. Die Anderen jedoch auch.
Und ich für meinen Teil, kann davon
sprechen, dass ich mich verloren fühle zwischen diesen beiden Gruppen. Ich will
anders sein, weil mir die Norm nicht passt. Ich fühle mich mit der Norm-Mode
von H&M, C&A, Madonna und wie sie alle heißen, nicht wohl. Ich höre die
Musik nicht gern, die in den Charts läuft, weil mir davon nichts aus der Seele spricht. Und das ist für mich enorm wichtig,
dass die Musik meine Seele berührt. Ich
fahre kein neues Auto, ich fahre einen 87er VW Scirocco in Paprikarot und heize
mit dröhnenden Boxen durch eine Kleinstadt, in der beinahe nur Kurgäste,
Rentner und verklemmte, freiwillige Langzeitarbeitslose herumlaufen und von
denen man bei jedem Schritt, den man tut, einen merkwürdigen Blick bekommt.
Ich lebe und sterbe in Schwarz. Ich höre
Metal, höre Goth – und das mit Leidenschaft. Viele andere tun das nicht. Ich
fühle mich nicht wohl, wenn ich daran denken muss, nächste Woche Freitag in
einen Durchschnittsclub zu gehen, in dem Durchschnittsmusik läuft und in dem
Durchschnittsmenschen tanzen und saufen – wenn nur 3 Kilometer entfernt eine
Gothdisco ist (von der ich jedoch nicht mehr heimkommen würde – nachts um halb
3, weil das Ding *ne Stunde von meinem Zuhause entfernt liegt. Und die
Taxirechnung bezahl erstmal).
Aber auch wenn mir das alles nicht liegt,
ich mich mit dem Normalen der Welt nicht wohlfühle, bin ich noch lange nicht anders.
Ich habe das Problem, mit nicht selbst
finden zu können. Ich würde gern den Mut, das Selbstbewusstsein von einigen
Menschen der sogenannten schwarzen Szene
besitzen. Würde gern mit Plateaustiefeln zur Uni, würde gern irre und
ausgefallen herumlaufen, aber ich habe das Gefühl, als könnte ich das stille
Urteil der anderen, meiner Kommilitonen, der anderen Leute im Bus und einfach
eines JEDEN in deren Augen sehen.
Ich weiß nicht, wer ich bin. Oder wer ich
sein will. Oder wohin ich will. Ich stecke in meinen schlichten, schwarzen
Skinny-Jeans, meinen schwarzen Tshirts und den Hoodies fest, ohne mich … mehr
zu trauen. Ich hätte so gern die Haare anders – aber ich arbeite neben der Uni im
Büro. In einem Büro, in dem mich die Mandanten bereits wegen meines schwarzen
Outfits merkwürdig ansehen (auch wenn mein Chef es völlig unkommentiert und
gelassen hinnimmt).
Ich hätte so gern einen ausgefallenen
Kleidungsstil, würde so gern mehr auffallen als es schwarze Haare und schwarze
Kleidung tun. Ich will mit etwas beweisen können, dass ich nicht bin wie
andere. Und doch … schaffe ich es nicht. Und es zerreist mich teilweise im
Inneren. Es entsteht einfach so ein Druck im Inneren, wenn man den Weg ZU SICH
SELBST nicht finden kann.
Ich stelle mir immer sooft die Fragen:
Wer bin ich?
Warum bin ich so, wie ich bin?
Warum kann ich nicht anders sein?
Wo will ich hin?
Und mit wem will ich dahin?
Will ich aber wirklich dort bleiben oder
will ich mehr?
Ich habe einfach keine Ahnung… Ich weiß
nur, dass ich einen festen Berufswunsch habe. Mehr weiß ich nicht. Und es macht
mich innerlich beinahe kaputt.
Ich weiß nicht, ob ich mit diesen Ansichten
eine der wenigen bin, aber ich muss es einfach auf irgendeinem Wege mal
loswerden und dieser Blog, diese Ecke des Internets scheint mir der einfachste
Weg zu sein.
Ich habe vor wenigen Tagen wieder mit Bass
spielen angefangen. Warum? Ich weiß es nicht so genau. Ich hatte vor gut sechs
oder sieben Jahren den Wunsch gehabt, Musiker zu sein. Und immer, wenn ich ein
gutes Live von einer Band gesehen habe, die ich mag, stellte ich mir vor, wie
es ist, auch mal auf so einer Bühne zu stehen. Und dieses Gefühl ist nie
gewichen. Ich habe Romane über und mit Musikern geschrieben und mir immer
wieder vorgestellt, wie es war, selbst man auf der Bühne (und wenn es nur eine
kleine war) zu stehen und in eine Menge von Gesichtern zu sehen. Nur leider
habe ich dies schnell aufgegeben, als es hieß, ich mache Abitur. Das Abi ist
nicht so einfach, wie viele glauben und irgendwas musste eben gekürzt werden –
so gab ich das Bassspielen auf, um noch etwas Zeit für meine Romane zu haben.
Eine Entscheidung, die ich zurückblickend etwas bereue, denn hätte ich das
Schreiben für eine Weile aufgegeben, wäre ich jetzt ein recht passabler
Bassist, der vielleicht eine feste Band hätte. Doch so bin ich nur ein Laie,
jemand der mal gerade zwei Saiten anschlagen kann, ohne sich die Finger zu
brechen und der Weg zur Perfektion wird lang und schwer werden. Weil ich auch
jetzt während der Uni wenig Zeit habe, um zu üben und zu Proben.
Dabei weiß ich nicht einmal so genau, warum
ich wieder hier gelandet bin, wo ich bin. Wie gesagt, weiß ich nicht, warum ich
viele Dinge tue. Sie passieren mir quasi einfach und ich habe mich diesen zu
beugen.
Ich weiß nur, dass ich auf Youtube das neue
Album (Dogma heißt es) von The Gazette gehört habe und von da
irgendwie zurück zu der Band kam, die ich mit 14/15 vergöttert hatte: Dir en grey. Beides sagt einigen
vielleicht etwas.
Schon früher hatte ich irgendein Instrument
spielen wollen, begann oft mit Gitarre und hörte ebenso oft damit wieder auf.
Bis ich auf den Bass stieß und vor allem passierte dies vorrangig durch das unüberhörbar
gute und vor allem auch durchscheinende Spiel des Bassisten der Band (Toshiya) – auch den sollten einige
vielleicht kennen, wenn sie aus der Visual
Kei-Sparte kommen. Auf jeden Fall wollte ich wie gesagt, immer Musiker
sein, aber ab dem einen Moment, in dem ich sein Bassspiel wirklich wahrgenommen
habe, die Solos oder die ohnehin sehr komplexen und nicht zu verachteten
Basslines – da wusste ich, dass Gitarre vielleicht ganz nett ist, der Bass
jedoch das meine sein sollte.
Ich spielte in der Schulband, versuchte mit
Hängen und Würgen an sein (Toshiyas) Spiel heranzureichen und dann kam eben Abi
und alles war dahin.
Ich versuchte weitergehend meine Schreibe
zu verbessern, wollte so sein wie J.K Rowling (Harry Potter) oder andere, große
Autoren/innen und … scheiterte. Fanfiktions schreiben ist nicht das Maß aller
Dinge – auch wenn es gut läuft, aber es ist nicht meine Bestimmung. Ich
glaubte, das Schreiben von eigenen, richtigen Romanen wäre meine Bestimmung.
Aber letztlich … stelle ich fest, dass auch das mich nicht mehr so mit Freude
und Spaß erfüllt, wie es einst der Fall war. Dabei schreibe ich nicht einmal
mehr, um etwas zu verlegen oder dergleichen. Das war zu Beginn des letzten
Jahres (2015) der Fall gewesen. Ich wollte unbedingt meine Bücher verlegen –
aber die Absagen gaben mir einen Dämpfer, sodass ich einsehen musste, noch
nicht gut genug zu sein. Also schrieb ich weiter. Ich schrieb und schrieb und …
stehe jetzt vor einer Wand, an der ich mich frage: Warum habe ich das all die
Jahre gemacht, wenn es mir nunmehr nicht die Freude bringt, wie es einst der
Fall war?
Und da ich den Weg zurück zu meinen
musikalischen Wurzeln gefunden habe, erneut von Dir en Grey, ihrem neuen Album und den alten Songs so eingenommen
bin, wie ich es damals mit 14/15 war, kehrte auch der Wunsch von damals zurück.
Mein Bass steht immerhin noch in meinem Zimmer, ist nun gestimmt und bereits
wieder gespielt worden und zum ersten Mal seit mehreren Jahren spürte ich
wieder, dass mir etwas wirklich Spaß macht. Auch wenn ich bisher nur leichte
Songs spiele, um wieder in die Musik einsteigen zu können, gibt es mir
irgendwie ein besseres Gefühl als … hunderte von Seiten zu füllen.
Dabei weiß ich nicht, wie langlebig dies
sein wird. Ich hoffe zwar, dass es mich ab nun endlich mein Leben lang
begleiten kann, aber man weiß ja nie.
Aber hier haben wir meinen unsicheren Weg wieder.
Ich weiß nichts.
Ich weiß nur, dass ich momentan versuche
eine kreative Leere und einen Zustand der absoluten Unzufriedenheit mit mir und
meinem Leben, mit etwas zu füllen, von dem ich weiß, dass es mir Spaß bereit
und von dem ich auch weiß, dass es mich weiterbringen kann. Bei der Musik hört
und spürt man die Fortschritte. Bei den Romanen … kommt es mir so vor, als
stünde ich seit Jahren auf ein und derselben Stelle, nur dass meine
Rechtschreibung (auch bedingt durch mein Studium der Germanistik) besser
geworden ist. Aber sonst weiß ich nicht, wohin mich irgendwas davon bringen wird.
Ich … weiß nicht, ob ich Musiker oder Autor
sein will. Ich weiß nicht, ob ich weiterhin in dieser Schwebe gefangen sein
will. Bisher habe ich immer versucht mich an berühmten Personen zu orientieren –
etwas mehr Marilyn Manson, etwas mehr Morticia Addams, etwas mehr … ANDERS. Und letztlich ende ich doch wieder
da, wo ich nun bin. Auf derselben, langweiligen Stufe, während ich andere
bewundere, dass sie den Mut zum Anderssein auch wirklich haben.
Denn da stellt sich auch die Frage: Werde
ich je den Mut haben, wieder auf eine Bühne zu gehen?
Oder werde ich je den Mut haben, eine
Lesung eines Buchs vorzunehmen?
Und wenn ja, will ich das so, wie ich jetzt
bin? Oder will ich das auffällig und … mehr ich? Aber – wer bin ich?
Ich will so gern den Weg zu meinen inneren
Ich finden, ohne dass ich dabei jemanden nacheifere. Ohne, dass ich jemandes
Stil kopiere, dessen Frisur, dessen Schreibstil oder dessen Art, das Instrument
zu spielen. Nur warum fällt es einigen so einfach und anderen (wie mir zB), so
schwer, man selbst zu sein? Und warum kann ich nicht wie andere, normale
Menschen, einfach mit dem zufrieden sein, was man … eben hat?
Dabei hatte ich zu Beginn dieses Jahres
beschlossen, dass alles anders wird. Ich wollte, dass dieses Jahr MEIN Jahr
wird. Und nun sehe ich es bereits genauso weiter verlaufen, wie 2015 geendet
hatte. Es ist so frustrierend und beängstigend zugleich, denn dieses „Ich lass
mich trieben“, wie ich es die letzten Jahre gemacht habe, macht mir Angst. Ich will
einfach nur endlich MEINEN WEG finden, MEINEN STIL und MEIN ICH. Ich will
endlich MICH finden. Und ich will sagen können, DAS BIN ICH. ICH und NIEMAND
sonst. Ich will für MICH etwas Besonderes sein, nicht für jemand anderes. Und
irgendwie fehlt mir dieses Gefühl, egal was ich tue und versuche. Zwar bleibt
mir nichts über, als weiterhin einen Weg zu suchen, auf den ich meinen Namen
schreiben kann, aber das wird noch lange dauern. Ich berichte mehr darüber,
wenn ich meinen Weg gefunden habe.
Aber wenn ich mir eines von Herzen wünsche,
dann ist es, dass die Menschen, die jetzt in meinem Leben sind, diesen Weg mit
mir gehen werden. Denn ich habe 2015 Menschen kennengelernt, die ich auch in
2016 und all den anderen Jahren nicht missen will. Und ich hoffe wirklich tief
in mir, dass diese Menschen auch meinen eventuell neu gefundenen Lebensweg
weiter mit mir gehen.
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