Sonntag, 10. Januar 2016

Me, myself and I

Kennt ihr das Gefühl, dass man einfach nicht weiß, wer man ist? Dass man seit Jahrzehnten versucht sich selbst zu finden und bisher auf diesem Weg die ganze Zeit gescheitert ist?
Irgendwann im Leben entscheiden sich die meisten Leute dafür normal oder anders zu sein. Was das jeweils bedeutet, lässt sich hier schwer definieren, denn es ist für jeden etwas anderes. Für mich bedeutet normal in diesem Zusammenhang jedoch, dass man sich der großen Masse anschließt. Man trägt, was die Mode vorschreibt; man hört, was die Charts vorgeben; man fährt das Auto, das gerade rausgekommen und somit von allen als toll angesehen wird. Anders definiere ich hier für meine Zwecke als Normabweichend, als alle, was gegen das geht, was gerade IN oder AKZEPTABEL ist, wenn man von der Sicht der gesamten Gesellschaft angeht.
Leute, die sich als normal ansehen, sich nicht großartig abheben, haben ihren Weg gefunden. Die Anderen jedoch auch.
Und ich für meinen Teil, kann davon sprechen, dass ich mich verloren fühle zwischen diesen beiden Gruppen. Ich will anders sein, weil mir die Norm nicht passt. Ich fühle mich mit der Norm-Mode von H&M, C&A, Madonna und wie sie alle heißen, nicht wohl. Ich höre die Musik nicht gern, die in den Charts läuft, weil mir davon nichts aus der Seele spricht. Und das ist für mich enorm wichtig, dass die Musik meine Seele berührt. Ich fahre kein neues Auto, ich fahre einen 87er VW Scirocco in Paprikarot und heize mit dröhnenden Boxen durch eine Kleinstadt, in der beinahe nur Kurgäste, Rentner und verklemmte, freiwillige Langzeitarbeitslose herumlaufen und von denen man bei jedem Schritt, den man tut, einen merkwürdigen Blick bekommt.
Ich lebe und sterbe in Schwarz. Ich höre Metal, höre Goth – und das mit Leidenschaft. Viele andere tun das nicht. Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich daran denken muss, nächste Woche Freitag in einen Durchschnittsclub zu gehen, in dem Durchschnittsmusik läuft und in dem Durchschnittsmenschen tanzen und saufen – wenn nur 3 Kilometer entfernt eine Gothdisco ist (von der ich jedoch nicht mehr heimkommen würde – nachts um halb 3, weil das Ding *ne Stunde von meinem Zuhause entfernt liegt. Und die Taxirechnung bezahl erstmal).
Aber auch wenn mir das alles nicht liegt, ich mich mit dem Normalen der Welt nicht wohlfühle, bin ich noch lange nicht anders.
Ich habe das Problem, mit nicht selbst finden zu können. Ich würde gern den Mut, das Selbstbewusstsein von einigen Menschen der sogenannten schwarzen Szene besitzen. Würde gern mit Plateaustiefeln zur Uni, würde gern irre und ausgefallen herumlaufen, aber ich habe das Gefühl, als könnte ich das stille Urteil der anderen, meiner Kommilitonen, der anderen Leute im Bus und einfach eines JEDEN in deren Augen sehen.
Ich weiß nicht, wer ich bin. Oder wer ich sein will. Oder wohin ich will. Ich stecke in meinen schlichten, schwarzen Skinny-Jeans, meinen schwarzen Tshirts und den Hoodies fest, ohne mich … mehr zu trauen. Ich hätte so gern die Haare anders – aber ich arbeite neben der Uni im Büro. In einem Büro, in dem mich die Mandanten bereits wegen meines schwarzen Outfits merkwürdig ansehen (auch wenn mein Chef es völlig unkommentiert und gelassen hinnimmt).
Ich hätte so gern einen ausgefallenen Kleidungsstil, würde so gern mehr auffallen als es schwarze Haare und schwarze Kleidung tun. Ich will mit etwas beweisen können, dass ich nicht bin wie andere. Und doch … schaffe ich es nicht. Und es zerreist mich teilweise im Inneren. Es entsteht einfach so ein Druck im Inneren, wenn man den Weg ZU SICH SELBST nicht finden kann.
Ich stelle mir immer sooft die Fragen:

Wer bin ich?
Warum bin ich so, wie ich bin?
Warum kann ich nicht anders sein?
Wo will ich hin?
Und mit wem will ich dahin?
Will ich aber wirklich dort bleiben oder will ich mehr?

Ich habe einfach keine Ahnung… Ich weiß nur, dass ich einen festen Berufswunsch habe. Mehr weiß ich nicht. Und es macht mich innerlich beinahe kaputt.
Ich weiß nicht, ob ich mit diesen Ansichten eine der wenigen bin, aber ich muss es einfach auf irgendeinem Wege mal loswerden und dieser Blog, diese Ecke des Internets scheint mir der einfachste Weg zu sein.

Ich habe vor wenigen Tagen wieder mit Bass spielen angefangen. Warum? Ich weiß es nicht so genau. Ich hatte vor gut sechs oder sieben Jahren den Wunsch gehabt, Musiker zu sein. Und immer, wenn ich ein gutes Live von einer Band gesehen habe, die ich mag, stellte ich mir vor, wie es ist, auch mal auf so einer Bühne zu stehen. Und dieses Gefühl ist nie gewichen. Ich habe Romane über und mit Musikern geschrieben und mir immer wieder vorgestellt, wie es war, selbst man auf der Bühne (und wenn es nur eine kleine war) zu stehen und in eine Menge von Gesichtern zu sehen. Nur leider habe ich dies schnell aufgegeben, als es hieß, ich mache Abitur. Das Abi ist nicht so einfach, wie viele glauben und irgendwas musste eben gekürzt werden – so gab ich das Bassspielen auf, um noch etwas Zeit für meine Romane zu haben. Eine Entscheidung, die ich zurückblickend etwas bereue, denn hätte ich das Schreiben für eine Weile aufgegeben, wäre ich jetzt ein recht passabler Bassist, der vielleicht eine feste Band hätte. Doch so bin ich nur ein Laie, jemand der mal gerade zwei Saiten anschlagen kann, ohne sich die Finger zu brechen und der Weg zur Perfektion wird lang und schwer werden. Weil ich auch jetzt während der Uni wenig Zeit habe, um zu üben und zu Proben.
Dabei weiß ich nicht einmal so genau, warum ich wieder hier gelandet bin, wo ich bin. Wie gesagt, weiß ich nicht, warum ich viele Dinge tue. Sie passieren mir quasi einfach und ich habe mich diesen zu beugen.
Ich weiß nur, dass ich auf Youtube das neue Album (Dogma heißt es) von The Gazette gehört habe und von da irgendwie zurück zu der Band kam, die ich mit 14/15 vergöttert hatte: Dir en grey. Beides sagt einigen vielleicht etwas.
Schon früher hatte ich irgendein Instrument spielen wollen, begann oft mit Gitarre und hörte ebenso oft damit wieder auf. Bis ich auf den Bass stieß und vor allem passierte dies vorrangig durch das unüberhörbar gute und vor allem auch durchscheinende Spiel des Bassisten der Band (Toshiya) – auch den sollten einige vielleicht kennen, wenn sie aus der Visual Kei-Sparte kommen. Auf jeden Fall wollte ich wie gesagt, immer Musiker sein, aber ab dem einen Moment, in dem ich sein Bassspiel wirklich wahrgenommen habe, die Solos oder die ohnehin sehr komplexen und nicht zu verachteten Basslines – da wusste ich, dass Gitarre vielleicht ganz nett ist, der Bass jedoch das meine sein sollte.
Ich spielte in der Schulband, versuchte mit Hängen und Würgen an sein (Toshiyas) Spiel heranzureichen und dann kam eben Abi und alles war dahin.
Ich versuchte weitergehend meine Schreibe zu verbessern, wollte so sein wie J.K Rowling (Harry Potter) oder andere, große Autoren/innen und … scheiterte. Fanfiktions schreiben ist nicht das Maß aller Dinge – auch wenn es gut läuft, aber es ist nicht meine Bestimmung. Ich glaubte, das Schreiben von eigenen, richtigen Romanen wäre meine Bestimmung. Aber letztlich … stelle ich fest, dass auch das mich nicht mehr so mit Freude und Spaß erfüllt, wie es einst der Fall war. Dabei schreibe ich nicht einmal mehr, um etwas zu verlegen oder dergleichen. Das war zu Beginn des letzten Jahres (2015) der Fall gewesen. Ich wollte unbedingt meine Bücher verlegen – aber die Absagen gaben mir einen Dämpfer, sodass ich einsehen musste, noch nicht gut genug zu sein. Also schrieb ich weiter. Ich schrieb und schrieb und … stehe jetzt vor einer Wand, an der ich mich frage: Warum habe ich das all die Jahre gemacht, wenn es mir nunmehr nicht die Freude bringt, wie es einst der Fall war?
Und da ich den Weg zurück zu meinen musikalischen Wurzeln gefunden habe, erneut von Dir en Grey, ihrem neuen Album und den alten Songs so eingenommen bin, wie ich es damals mit 14/15 war, kehrte auch der Wunsch von damals zurück. Mein Bass steht immerhin noch in meinem Zimmer, ist nun gestimmt und bereits wieder gespielt worden und zum ersten Mal seit mehreren Jahren spürte ich wieder, dass mir etwas wirklich Spaß macht. Auch wenn ich bisher nur leichte Songs spiele, um wieder in die Musik einsteigen zu können, gibt es mir irgendwie ein besseres Gefühl als … hunderte von Seiten zu füllen.
Dabei weiß ich nicht, wie langlebig dies sein wird. Ich hoffe zwar, dass es mich ab nun endlich mein Leben lang begleiten kann, aber man weiß ja nie.
Aber hier haben wir meinen unsicheren Weg wieder. Ich weiß nichts.
Ich weiß nur, dass ich momentan versuche eine kreative Leere und einen Zustand der absoluten Unzufriedenheit mit mir und meinem Leben, mit etwas zu füllen, von dem ich weiß, dass es mir Spaß bereit und von dem ich auch weiß, dass es mich weiterbringen kann. Bei der Musik hört und spürt man die Fortschritte. Bei den Romanen … kommt es mir so vor, als stünde ich seit Jahren auf ein und derselben Stelle, nur dass meine Rechtschreibung (auch bedingt durch mein Studium der Germanistik) besser geworden ist. Aber sonst weiß ich nicht, wohin mich irgendwas davon bringen wird.
Ich … weiß nicht, ob ich Musiker oder Autor sein will. Ich weiß nicht, ob ich weiterhin in dieser Schwebe gefangen sein will. Bisher habe ich immer versucht mich an berühmten Personen zu orientieren – etwas mehr Marilyn Manson, etwas mehr Morticia Addams, etwas mehr  … ANDERS. Und letztlich ende ich doch wieder da, wo ich nun bin. Auf derselben, langweiligen Stufe, während ich andere bewundere, dass sie den Mut zum Anderssein auch wirklich haben.
Denn da stellt sich auch die Frage: Werde ich je den Mut haben, wieder auf eine Bühne zu gehen?
Oder werde ich je den Mut haben, eine Lesung eines Buchs vorzunehmen?
Und wenn ja, will ich das so, wie ich jetzt bin? Oder will ich das auffällig und … mehr ich? Aber – wer bin ich?
Ich will so gern den Weg zu meinen inneren Ich finden, ohne dass ich dabei jemanden nacheifere. Ohne, dass ich jemandes Stil kopiere, dessen Frisur, dessen Schreibstil oder dessen Art, das Instrument zu spielen. Nur warum fällt es einigen so einfach und anderen (wie mir zB), so schwer, man selbst zu sein? Und warum kann ich nicht wie andere, normale Menschen, einfach mit dem zufrieden sein, was man … eben hat?
Dabei hatte ich zu Beginn dieses Jahres beschlossen, dass alles anders wird. Ich wollte, dass dieses Jahr MEIN Jahr wird. Und nun sehe ich es bereits genauso weiter verlaufen, wie 2015 geendet hatte. Es ist so frustrierend und beängstigend zugleich, denn dieses „Ich lass mich trieben“, wie ich es die letzten Jahre gemacht habe, macht mir Angst. Ich will einfach nur endlich MEINEN WEG finden, MEINEN STIL und MEIN ICH. Ich will endlich MICH finden. Und ich will sagen können, DAS BIN ICH. ICH und NIEMAND sonst. Ich will für MICH etwas Besonderes sein, nicht für jemand anderes. Und irgendwie fehlt mir dieses Gefühl, egal was ich tue und versuche. Zwar bleibt mir nichts über, als weiterhin einen Weg zu suchen, auf den ich meinen Namen schreiben kann, aber das wird noch lange dauern. Ich berichte mehr darüber, wenn ich meinen Weg gefunden habe.

Aber wenn ich mir eines von Herzen wünsche, dann ist es, dass die Menschen, die jetzt in meinem Leben sind, diesen Weg mit mir gehen werden. Denn ich habe 2015 Menschen kennengelernt, die ich auch in 2016 und all den anderen Jahren nicht missen will. Und ich hoffe wirklich tief in mir, dass diese Menschen auch meinen eventuell neu gefundenen Lebensweg weiter mit mir gehen.

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